Ist Gluten ein Nahrungsmittelgift?
„In den Industriestaaten werden speziell durch
den Konsum von Brot etwa 50% des Kohlenhydrat und 30%
des Proteinbedarfs gedeckt“ (1) . Sieht man davon
ab, dass wir außer Brot noch eine Reihe anderer
Lebensmittel aus Mehl bzw. Getreide herstellen und auch
verzehren, müssen wir die allgemein übliche
Ansicht, dass Getreide und insbesondere das Brot ein „Kohlenhydratnahrungsmittel“ ist
gründlich revidieren. Brot ist in den Industrieländern
eine – wenn nicht „die“ – Eiweißquelle
in unserer Nahrung. Für eine „Trennkost“,
deren Prinzip die zeitliche Trennung der Zufuhr von Kohlenhydrat
und Eiweiß ist, ist Weizen, Roggen und Gerste jedenfalls
nicht geeignet. Ist man jedoch kein Trennkostanhänger
so wäre die Tatsache des hohen Eiweißgehaltes
in der bei uns üblichen Getreidenahrung an und für
sich nicht so schlimm, wenn nicht ein wesentlicher Bestandteil
dieses Eiweißes Gluten wäre.
Was ist Gluten? Gluten ist ein etwas ungenau definierter
Sammelbegriff für verschiedene Bestandteile des
so genannten Kleber-Eiweißes im Weizen. Zurückgehend
auf die Arbeiten von Osborne aus dem Jahre 1907 werden
die Eiweißbestandteile der verschiedenen Getreidesorten
in Albumine, Globuline, Prolamine und Gluteline unterteilt.
In den verschiedenen Getreidesorten haben die Prolamine
und Gluteline wiederum unterschiedliche chemische Eigenschaften
und werden deshalb auch unterschiedlich bezeichnet (siehe
Tabelle 1). Damit die ganze Sache noch komplizierter
wird unterscheidet man auch innerhalb der Gliadin-Fraktion
noch unterschiedliche Arten bzw. Bausteine die als α-Gliadin, γ-Gliadin
und ω-Gliadine (diese werden wiederum in ω5-
und ω1,2-Gliadine unterteilt). Bei der in allen
Lehrbüchern der Medizin zu findenden Krankheit „Zöliakie“ (=
einheimische Sprue) ist als Auslöser der Krankheit
bereits Gliadin erkannt worden. Seit einiger Zeit hat
sich die Erkenntnis, dass der Weizenbestandteil Gliadin
bei genetisch disponierten Personen auch die krank machen
kann bis zu den Autoren von Lehrbüchern für
Lebensmittelchemiker herumgesprochen. Gluten ist aber
ein ungenau definierter Sammelbegriff der die Summe von
Prolaminen und Glutelinen, insbesondere von Gliadin und
Glutenin beschreibt. Ich möchte jedoch bewusst diesen
ungenau definierten Sammelbegriff in der Folge verwenden,
da nach meiner klinischen Erfahrung „irgend etwas“ in
dieser Glutenfraktion eine Reihe von Menschen krank macht,
wobei es sich nicht unbedingt um den Gliadinbestandteil
handelt!
Tabelle 1
Osborne-Fraktion |
Weizen |
Roggen |
Hafer |
Gerste |
Mais |
Reis |
Hirse |
Albumin |
Leukosin |
|
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Globulin |
Edestin |
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Prolamin |
Gliadin |
Secalin |
Avenin |
Hordein |
Zein |
Orycin |
Kafirin |
Glutelin |
Glutenin |
Secalinin |
Avenalin |
Hordenin |
Zeanin |
Orycenin |
|
Wie gesagt führt Gliadin bei einem kleinen Bevölkerungsanteil
von ca. 0.1 bis 0.5% zu der mittlerweile sehr gut beschriebenen
Krankheit Zöliakie. Es gibt aber einen ungleich
höheren Bevölkerungsanteil mit Beschwerden
verschiedenster Art die nach einer Reduktion von Gluten
in ihrer Ernährung eine dramatische Besserung ihrer
Beschwerden erreichen. Auf diese Gruppe von Patienten
und nicht auf die Patienten mit klassischer Zöliakie
möchte ich in der Folge besondere Berücksichtigung
schenken. Diese Unterscheidung ist besonders wichtig,
da an Zöliakie erkrankte Menschen eine Gluten- freie Ernährung
brauchen, während es bei der anderen Gruppe (zu
der auch sehr oft Patienten mit Fructosemalabsorption
und/oder Lactoseintoleranz gehören) lediglich eine
Reduktion des Gluten in der täglichen Ernährung
bedarf (= Gluten- arme Ernährung).
Um allen Angriffen von Zöliakie-Selbsthilfegruppen, ÄrztekollegInnen,
ErnährungsberaterInnen und Nahrungsmittelherstellern
vorzubeugen sei hier noch einmal betont, dass in der
Folge unter glutenfreier und glutenarmer Ernährung
streng unterschieden wird!
Zunächst stellt sich die berechtigte Frage: „Warum
soll Gluten plötzlich krank machen, wo es doch seit
Jahrtausenden Weizen als Bestandteil in unserer Nahrung
gibt“? Nun die Antwort darauf ist einfach; „Weil
wir noch nie in der Geschichte derartige Mengen an Gluten
in unserer Nahrung vorgefunden haben“! Um diese
Aussage ein bisschen glaubwürdiger zu gestalten
seien ein paar Zahlen angeführt (entnommen aus (1)
): Die weltweite Weizenproduktion hat von 780 Mio Tonnen
im Jahr 1956 auf 2050 Mio Tonnen im Jahr 1996 zugenommen
und sich somit in den letzten 40 Jahren fast verdreifacht.
Damit aber noch nicht genug: Weizen hat sich innerhalb
dieser Zeit einen immer größer werdenden Teil
der Weltgetreideproduktion verschafft und zu allem Übel
wurden ständig neue Weizensorten mit noch höherem
Glutenanteil gezüchtet. Das bedeutet, dass jeder
von uns unbemerkt einen immer höheren Glutenanteil
in seiner Nahrung findet ob er will oder nicht. Auch
wenn er sich von Bioprodukten ernährt oder das Getreide
selber in seinem Garten anbaut ist er oder sie davon
betroffen, da es mittlerweile fast keine ursprünglichen
glutenarme Getreidesorten mehr gibt. Die Ursache für
diese Entwicklung hat wirtschaftliche Gründe und
ist auch auf unser Konsumverhalten zurückzuführen:
Wir lieben es frisches Brot zu essen welches luftig und
knusprig ist. Wer einmal im mittleren Osten war und dort
ein fladenartiges weiches Brot von ca. 1 cm Höhe
gegessen hat weiß wie fad ein solches Nahrungsmittel
schmeckt und versteht auch, dass sich so ein Lebensmittel
bei uns nicht lange verkaufen ließe. So ähnlich
dürfte aber von 2000 Jahren Brot ausgeschaut haben
als es noch eine vorwiegende Kohlenhydratquelle war und
weniger eine Eiweißquelle, wie es heutzutage zutrifft.
Wenn wir uns ein Brot aus dem heutigen Bäckerladen
ansehen so findet man zahlreiche kleine Luftlöcher
oder Bläschen die in ihrer Summe das angenehme Kaugefühl
vermitteln. Jedes dieser Bläschen ist von einer
dünnen Eiweißhülle ausgekleidet und wird
so in „Form gehalten“. Die Fähigkeit
den Teig aufgehen zu lassen und in der Folge beim Backen
solche Bläschen entstehen zu lassen bezeichnet der
Lebensmittelhersteller als Backtriebfähigkeit und
genau diese Eigenschaft bestimmt den Preis des Produktes.
Kurz gesagt hängt der Preis des Weizens den ein
Farmer erzielen kann von der „Backtriebfähigkeit“ ab.
Je höher die Backtriebfähigkeit des Weizens,
desto höher der Verkaufspreis. Das heißt,
daß ein hoher Eiweißgehalt im Weizen einen
guten Verkaufspreis bedeutet. Auf den großen Weizenhandelsmärkten
wird der Eiweißgehalt und damit die Backtriebfähigkeit
des feilgebotenen Produktes durch Bestimmung des Leiteiweißes
nämlich dem Gluten bestimmt. Lebensmittelchemiker,
Gentechniker und Weizenzüchter haben deshalb in
den letzten 50 Jahren alle Anstrengungen unternommen
den Glutengehalt des Weizens zu erhöhen. Es wurde
sogar schon laut darüber nachgedacht in Reis ein
Gen einzufügen welches die Produktion von Gluten
codiert und damit die Backtriebfähigkeit von Reis ähnlich
gut wie die des Weizens machen sollte. Man darf gespannt
sein welche unsinnigen Einfälle die Lebensmitteltechnologen
und Gentechniker noch haben werden. Unabhängig davon
haben wir aber jetzt schon die Misere, dass die Durchschnittsbevölkerung
einer Glutenbelastung in einem noch nie da gewesenen
Ausmaß ausgesetzt ist
Was bewirkt aber Gluten in unserem Körper? Derzeit
sind mindestens 4 verschiedene Arten der Schädigung
(Pathomechanismen) beschrieben. Leider sind die schädigenden
Wirkungen von Gluten nicht nur bei den Lebensmittelherstellern
sondern auch unter den Medizinern weitgehend unbekannt.
-
Am besten bekannt ist die schädigende Wirkung
des Glutenbestandteils Gliadin bei Patienten mit Zöliakie.
Auch wenn der genaue Mechanismus der Krankheitsentstehung
noch umstritten ist wird doch die krankmachende Wirkung
des Gliadin allgemein anerkannt. Bei diesen Patienten
gelangt Gliadin durch kleine Verletzungen in der Darmschleimhaut
in den Körper genauer gesagt in die Mukosa. Dort
kommt es zur Bildung von Komplexen mit dem Enzym „ Tissue
Transglutaminase (tTG)“. Dieser tTG-Gliadin-Komplex
wirkt als Antigen und induziert so genannte „Endomysiale
(auto)Antikörper (EMA)“ (2) . Endomysiale
Antikörper und Transglutaminase-Antikörper
werden demnach auch zur Diagnose der Zöliakie
herangezogen. Der goldene Standard der Diagnose einer
Zöliakie ist jedoch die Gewebsentnahme (Biopsie)
des Dünndarms im Rahmen einer Gastro-Duodenoskopie,
die an mindesten 4 verschiedenen Stellen erfolgen sollte.
Bei der feingeweblichen Untersuchung (Histologie) sieht
man nämlich neben einer mehr oder weniger ausgeprägten
Zerstörung der Dünndarmzotten (Zottenatrophie)
auch eine Vermehrung von Entzündungszellen den
so genannten inatraepithelialen Lymphozyten (IEL).
Um auch Hinweise für gering gradige Entzündung
des Dünndarms zu bekommen sollte vom zuweisenden
Arzt bzw. Patienten gefordert werden, dass die inatraepithelialen
Lymphozyten (IELs) ausgezählt und im Verhältnis
Epithelzellen angegeben wird (Anzahl IEL/100 Epithelzellen).
Damit lässt sich dann auch ein Hinweis für
eine subtile entzündliche Infiltration der Dünndarmschleimhaut
erkennen ohne dass das Vollbild einer Zöliakie
vorliegen muss. Die Zöliakie führt zu einer
Reihe von Beschwerden die teilweise nur sehr schwer
mit der reinen Darmschädigung erklärt werden
können. Eine Liste der Zöliakie assoziierten
Krankheiten bzw. Beschwerden sind in Tabelle 2 zusammengestellt.
Sehr häufig findet man bei Patienten mit diversen
(nicht nur gastrointestinalen) Beschwerden erhöhte
Antikörper gegen Gliadin vom IgG-Typ. Während
Gliadin-Ak vom IgA-Typ einen deutlichen Hinweis auf
das Vorliegen einer echten Zöliakie bieten, wissen
wir Ärzte im Allgemeinen mit dem Befund der isoliert
erhöhte IgG-Gliadin-Antikörper nicht viel
anzufangen. Deshalb werden diese Befunde den Patientinnen
gegenüber gerne als „unbedeutend“ oder
als „normal“ verkauft. Nun können
Auch IgG-Antikörper gegen Gliadin nur dann gebildet
werden, wenn Gluten die Barriere der Darmschleimhaut überwunden
haben, sozusagen in den Körper gekommen sind.
So gesehen muss an der Darmschleimhaut also etwas nicht
in Ordnung gewesen sein, sonst könnten sich die
Antikörper gegen Gliadin nicht gebildet haben.
Lässt man solche Menschen einige Wochen eine glutenarme
Diät einhalten so normalisieren sich die IgG-Antikörper
gegen Gliadin in den meisten Fällen und viele
Betroffene berichten auch über eine Besserung
ihrer Beschwerden. In einer eigenen Studie (2004 eingereicht)
konnten wir zeigen, dass das Auftreten von IgG-Gliadin-Antikörper
sehr gut und hoch signifikant mit dem Auftreten von
so genannten zirkulierenden Immunkomplexen korreliert.
Zirkulierende Immunkomplexe sind Komplexe von Antikörpern
und Antigenen die in so hoher Konzentration vorliegen,
dass sie nicht rasch genug aus dem Körper entfernt
werden können. D.h. die Entstehung der Immunkomplexe
läuft schneller ab als ihre Ausscheidung z. Bsp. über
die Nieren. Solche zirkulierenden Immunkomplexe (CIC)
führen zu Autoimmunkrankheiten vom Typ III und
werden außerdem bei manchen Kollagenosen gefunden,
das sind Krankheiten aus dem rheumatischen Formenkreis,
deren Entstehungsursachen wir noch immer nicht kennen.
Im Allgemeinen suchen die Immunologen beim neuen Auftreten
von Antikörpern immer nach Auslösern infektiösen
Ursprungs. Vielleicht sollte man bei Autoimmunkrankheiten
auch nach Auslösern aus der Nahrung suchen: Die
Antigene in der Nahrung mögen vielleicht nicht
so dramatische Veränderungen auslösen wie
infektiöse Antigene, dafür ist man den Antigenen
in der Nahrung ein Leben lang tagtäglich ausgesetzt
ohne sie als krankmachende Ursache zu bemerken. Hier
ist noch viel Forschungsarbeit notwendig, unsere ersten
Beobachtungen lassen jedoch vermuten, dass Gluten unabhängig
vom Vorliegen einer Zöliakie auch zu vermehrtem
Auftreten von zirkulierenden Immunkomplexen und damit
möglicherweise auf zum Auftreten so genannter
Typ III-Autoimmunerkrankungen beitragen. Eine Übersicht über
Krankheiten bei denen erhöhte zirkulierende Immunkomplexe
zu finden sind, ist in Thomas (3) zusammengestellt.
Das Complement System ist ein entwicklungsgeschichtlich
alter Teil des Immunsystems welches die eigentliche
Schädigung eines zu vernichtenden Eindringlings
(z. Bsp. ein krankmachendes Bakterium) bewirkt. Was
passiert wenn ein krankmachendes Bakterium in den Körper
gelangt? Wir wissen alle, daß in diesem Fall
das Immunsystem in Funktion tritt: Es werden Antikörper
gegen so genannte Antigene Strukturen (=Erkennungsmerkmale)
des Eindringlings gebildet. Von den Meisten wird angenommen,
daß damit die ganze Sache erledigt ist und der
Eindringling vernichtet wird. Doch das ist nicht der
Fall. Mit der Bildung an Andockung von Antikörpern
gegen Antigene passiert noch gar nichts. Dies ist nur
die Voraussetzung, daß entweder eine Fresszelle
kommen kann und diesen Antigen-Antikörperkomlex
(Ag/Ak-Komplex) aufzufressen oder aber daß das
Complement-System aktiviert wird. Erst durch Aktivierung
des Complementsystems werden Löcher in den Eindringling
(Bakterium) gebrannt und damit abgetötet. Doch
das Complementsystem kann nicht nur durch Ag/Ak-Komplexe
aktiviert werden sondern auch über den so genannten „alternativen
Abbauweg“ aktiviert werden. Alternativer Abbauweg
heißt in diesem Fall, daß es zu einer Aktivierung
des Complementsystems kommt, ohne daß ein einziger
Antikörper gebildet wurde. Der Körper bildet
sozusagen einen „chemischen Schrotschuss“ in
seine Umgebung und zerstört alles was sich dort
befindet. Diese Art der Verteidigung hat sich entwicklungsgeschichtlich
schon sehr früh als sehr erfolgreich gezeigt so
daß wir dies Frühform eines Immunsystems
schon bei niedrigen Lebewesen wie z. Bsp. den Schnecken
finden. Diese Schrottschussverteidigung bedeutet jedoch
auch eine große Gefahr für den eigenen Organismus
weil auch körpereigene Zellen auf diese Art und
Weise zerstört werden können. Um dem Vorzubeugen
hat die Natur vorgesehen und den körpereigenen
Zellen an der Oberfläche so genannte Protectine
(CD59) verliehen, Strukturen welche die Zerstörung
der eigenen Körperzellen verhindern sollen. Bei
Patienten mit entzündlichen Darmerkrankungen wurde
in einer Studie gezeigt, daß diese Protectine
an den Darmzellen in geringerer Konzentration vorhanden
sind als bei Menschen ohne Entzündungsreaktionen
im Darm (4) . Möglicherweise dürfte bei Patienten
mit Reizdarmsyndrom eine ähnliche Situation vorliegen,
so daß diese Menschen gegenüber einer Aktivierung
des Complementsystems wesentlich empfindlicher sind
als „Gesunde“: Wird das Complementsystem
aktiviert gehen bei Reizdarmpatienten vielleicht mehr
Darmzellen zugrunde als bei anderen Menschen die mit
einer ausreichenden Konzentration an Protectinen ausgestattet
sind. Der Clou an der ganzen Sache besteht aber darin,
daß im Experiment mit einem Glutenextrakt (so
genannte Fraziers fraction) das Complementsystem über
den alternativen Abbauweg (also ohne der Bildung eines
einzigen Antikörpers) zu 75% seiner maximalen
Aktivierbarkeit (also sehr sehr stark) aktiviert werden
kann. Dies wurde in einer bisher von den Medizinern
so gut wie gar nicht beachteten Arbeit von Unsworth
und Würzner (5) bei in vitro Studien gezeigt.
Entsprechende Studien am lebenden Organismus stehen
noch aus. Offenbar hat aber niemand daran Interesse
das man herausfinden könnte, daß unser Hauptnahrungsmittel
nämlich Brot, mit Gluten einen ziemlich giftigen
Nahrungsbestandteil beinhaltet und das genau dieser
Bestandteil in den letzen 40 Jahren aus wirtschaftlichen
Gründen in seiner Konzentration hochgezüchtet
wurde. Es ist doch beachtenswert das in Westeuropa
bereits etwa 25% der Bevölkerung an der „psychosomatischen“ Krankheit
Reizdarmsyndrom leiden.
Eine weitere Gruppe an Krankheiten die durch Gluten
bzw. Gliadin bedingt wird und allmählich allgemeine
Anerkennung unter den Mediziner findet ist die Hypersensitivität
gegenüber Gliadin vom IgE-Typ. Bei den betroffenen
Patienten kommt zu einer echten Allergie gegen Gliadin ähnlich
wie das bei einer Allergie gegenüber Äpfel
oder Nüssen der Fall ist. Es werden IgE-Antikörper
vom Soforttyp gebildet. Diese Krankheit ist jedoch
wie alle echten Nahrungsmittelallergien sehr selten
vorkommend und führt meist schon nach dem ersten
Bissen – meist schon im Mund - zu allergischen
Erscheinungen nämlich dem oralen Allergiesyndrom
(OAS). Das OAS ist jedoch nicht spezifisch für
eine Gliadin-Allergie sondern kann bei allen Allergien
gegenüber Nahrungsmittelbestandteilen vorkommen
Die eigene klinische Erfahrung zeigt, daß bei
manchen Personen mit Reizdarmsyndrom eine dramatische
klinische Besserung erreicht werden kann, wenn sie eine
glutenarme Diät einhalten. Ohne
den genauen Wirkmechanismus dafür zu kennen ist
der Zusammenhang dennoch so offensichtlich, daß ich
für diese Patientengruppe die Diagnose „ glutensensitives
Reizdarmsyndrom ohne Vorliegen einer Zöliakie“ geprägt
habe.
Tabelle 2: Folgen
und Folgekrankheiten bzw. assoziierte Beschwerden
bei Zöliakie |
Symptome bei Zöliakie
:
- Diarrhöe.
- Fettige bzw. schmierige Stühle
- Gewichtsverlust.
- Adynamie.
- Blähungen.
- Kopfschmerzen.
|
Veränderte Laborwerte:
- Alpha2-Globuline vermindert.
- Makrozytose der Erythrozyten.
- CCK-Mangel (=> Gallensteine).
- Erhöhtes Prolactin (=> Milchfluss
bei Frauen)
- Complementfaktoren-Mangel.
- Erhöhte Transaminasen (Leberschädigung).
- Eisenmangel (=> Eisenmangelanämie)
- Eiweißmangel (=> Ödeme).
- Folsäuremangel (=> Folsäuremangelanämie).
- Vitamin B1-(Thiamin) Mangel.
- Vitamin B12-Mangel.
- Vitamin E Mangel.
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Assoziierte Krankheiten
/ Folgekrankheiten bei Zöliakie :
- Abortus und Infertilität.
- Potenzstörungen.
- Schizophrenie.
- Vaginose.
- Colitis kollagene. Inclusion-Body-Myositis
- Aphten (Mund und gesamter Verdauungstrakt)
- Kardiomyopathie (COCM).
|
Abbildung 1
CIC-concentration = 33.427 - 0.631 x Gliadin IgG antibody
concentration; n = 270; R = 0.417; p < 0.0001) and
dotted curves its 95% confidence interval.

Literatur
(1) Belitz H.D. GWSP. Lehrbuch der Lebensmittelchemie.
5 ed. Berlin, Heidelberg, New York: Springer Verlag,
2001.
(2) Schuppan D., Dieterich W., Riecken E.O. Exposing
gliadin as a tasty food for lymphocytes. Nat Med 1998;(4):666-667.
(3) Thomas L. Labor und Diagnose. 5 ed. Frankfurt a.
Main: TH-Books Verlags Ges.m.b.H., 1998.
(4) Scheinin T, Bohling T, Halme L, Kontiainen S, Bjorge
L, Meri S. Decreased expression of protectin (CD59) in
gut epithelium in ulcerative colitis and Crohn's disease.
Hum Pathol 1999; 30(12):1427-1430.
(5) Unsworth DJ, Wurzner R, Brown DL, Lachmann PJ.
Extracts of wheat gluten activate complement via the
alternative pathway. Clin Exp Immunol 1993; 94(3):539-543.
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