Inulin und FOS:
Die versteckten Fructose - Quellen
Was ist Inulin?
Inulin ist einfach gesagt eine Polyfructose, d.h. es
sind ca. 30 bis 40 Fruchtzuckermoleküle zu einer
perlschnurartigen Kette verbunden. FOS ist die Abkürzung
für „fructo-oligo-saccharide“, diese
sind im wesentlichen gleich, haben jedoch weniger Fructosebausteine.
Inulin und FOS gemeinsam ist, dass die Fructosebausteine
(1,2-ß -glykosidisch) verknüpft sind, das
heißt, die Verbindungen zwischen den Fruchtzuckermolekülen
im Darm nicht aufgespaltet werden, durch den Dünndarm
hindurch wandern und so in den Dickdarm gelangen. Dort
angelangt können sie von den ansässigen Bakterien
sehr wohl aufgespaltet werden, so dass es zum Anfall
von freier Fructose und damit zu vermehrtem Bakterienwachstum
kommt.
Inulin und FOS sind demnach Ballastsstoffe, welche zu
einem vermehrtem Bakterienwachstum führen und deshalb
auch als Präbiotikum bezeichnet werden.
Von der Nahrungsmittelindustrie werden präbiotische
Substanzen als günstig dargestellt, da in einzelnen
Studien gezeigt werden konnte, dass Präbiotika zu
vermehrten Wachstum von Lactobazillen und Bifidusbakterien
führen können. Wenn Inulin als wachstumsfördernder
Faktor für „gute Bakterien“ gilt, trifft
das natürlich für die „schlechten Bakterien“ in
gleichem Maße zu. Das bedeutet, dass vor allem
bei Patienten mit klinischer symptomatischer Fructosemalabsorption
bei Einnahme von FOS und Inulin eine Verschlechterung
der Beschwerden zu erwarten ist.
Man kann sich das in etwa so vorstellen: Beschwerden
die im Rahmen einer Fructosemalabsorption auftreten,
kommen nicht durch die Resorptionsstörung an sich
zu stande, sondern die Resorptionsstörung führt
zu einem vermehrten Wachstum von Mikroorganismen die
vorwiegend Fructose verstoffwechseln können. Hat
man das Unglück, dass sich vor allem ungünstige,
zu klinischen Beschwerden führende Mikroorganismen
durch die malabsorpierte Fruchtzuckerzufuhr vermehren,
dann wird es bei einer Zufuhr von Inulin oder FOS genauso
wie bei der Zufuhr von Fruchtzucker zu einer Vermehrung
der Beschwerden kommen. Umgekehrt wird ein verstärktes
Wachstum von günstigen Mikroorganismen vor allem
dann auftreten, wenn diese so und so die vorherrschende
Population in der Darmflora darstellen. So gesehen profitiert
der Gesunde nicht oder kaum, während der Kranke
mit einer Verschlechterung seiner Beschwerden zu rechnen
hat.
Das Problem an Inulin und FOS besteht vor allem darin,
dass die Nahrungsmittelindustrie sehr gerne von diesen
Zusatzstoffen Gebrauch macht, da sie einen neutralen
bzw. leicht süßlichen Geschmack haben, gute
Verarbeitungseigenschaften zeigen und sich geschmacklich
kaum als Ballaststoffe erkennen lassen, sowie „dünne“ weil
fettarme Milchprodukte durch ihr Quellvermögen eine
gewisse Cremigkeit / Sämigkeit haben und damit ein
gutes Mundgefühl (mouth feel) geben. So werden Inulin
und FOS häufig fettarmen und dadurch mäßige
Milchprodukten zugesetzt, um dieses durch ihr Quellvermögen
eine gewisse Cremigkeit / Sämigkeit und damit ein
gutes „Mundgefühl“ zu vermitteln. So
wird Inulin und Fructo-oligo-saccharide zur Reduktion
von Fett und Kalorien in Nahrungsmitteln zugesetzt, damit
diesem Produkt das Etikett eines „gesunden“ Lebensmittels
gegeben werden kann.
Wo findet man Inulin und Fructo-oligo-saccharide:
Eine Übersicht über Nahrungsmittel die Inulin
oder Oligo Fructose enthalten sind in Tabelle 1 angeführt.
Inulin und FOS kommen einerseits natürlicherweise
vor allem in Löwenzahn, Chicoreewurzel, Artischocke
und Lauchgewächsen vor (Knoblauch, Lauch, Zwiebel),
so wie in geringen Mengen auch in Weizen- und Roggenmehl.
Die häufigste Quelle von Inulin in unserer heutigen
Nahrung findet man jedoch in Müslis, Fitness- oder
Ballaststoffriegeln, Fruchtschnitten, Joghurt und anderen
Nahrungsmitteln die vor allem mit Bezeichnungen wie „Präbiotisch“, „Symbiotisch“, „Bioaktiv“, „Ballaststoffhältig“ etc.
versehen sind.
Zusammenfassung:
Die in der Natur vorkommende Menge an Inulin und FOS
ist im täglichen Verzehr fast zu vernachlässigen,
da heutzutage kaum jemand täglich Löwenzahn,
Chicoreewurzel oder Artischocken in größeren
Mengen zu sich nimmt. Lediglich bei den Lauchgewächsen
(Zwiebel, Lauch, Knoblauch) sollten Patienten mit Fructosemalabsorption
vor allem in der anfänglichen Phase der diätetischen
Therapie Zurückhaltung üben. Der überwiegende
Teil an Inulin und FOS wird heutzutage durch künstlich
angereicherte Müslis, Ballaststoffriegel und Joghurts
zu sich genommen. Patienten mit Fructosemalabsorption
sollten deshalb vor allem in der Anfangsphase der diätetischen
Therapie die in Tabelle 1 angeführten natürlich
vorkommenden Nahrungsmittel meiden und bei Müslis,
Joghurt und ballaststoffhaltigen Nahrungsmitteln an
den Etiketten immer darauf schauen, ob nicht Inulin
oder FOS zu gesetzt wurde.
Tabelle 1
Inulingehalt verschiedener
Lebensmittel
Lebensmittel |
g / 100g |
Chicoree - Wurzel |
35,7 - 47,6 |
Artischocke |
2,0 - 6,8 |
Jerusalem Artischocke |
16,0 - 20,0 |
|
|
roh |
|
Bananen |
0,3 - 0,7 |
Spargel |
2,0 - 3,0 |
Löwenzahn |
12,0 - 15,0 |
Knoblauch |
9,0 - 16,0 |
Lauch |
3,0 - 10,0 |
Zwiebel |
1,1 - 7,5 |
Weizenkleie |
1,0 - 4,0 |
Gerste |
0,5 - 1,0 |
|
|
gekocht |
|
Spargel |
1,4 - 2,0 |
Löwenzahn |
8,1 - 10,1 |
Zwiebel |
0,8 - 5,3 |
Weizenmehl |
0,2 - 0,6 |
Gerste |
0,1 - 0,2 |
|
|
getrocknet |
|
rohe Bananen |
0,9 - 2,0 |
Knoblauch |
20,3 - 36,1 |
rohe Zwiebel |
4,7 - 31,9 |
|
|
gebacken |
|
Weizenmehl |
1,0 - 3,8 |
Roggen |
0,5 - 0,9 |
|